Tom Zhang fühlt sich manchmal wie ein Arzt, der seinem Patienten eine schlimme Diagnose eröffnet. Dann nämlich, wenn er einem Kunden sagen muss, er habe in dessen Ware „leider etwas gefunden“. Eine Chemikalie zum Beispiel, die nicht in ein Produkt „Made in China“ gehört, das der Hersteller nach Europa exportieren will. In solchen Gesprächen ist Zhang einerseits fast schon untröstlich. Andererseits hat er aber auch ein Erfolgserlebnis: Schließlich ist es sein Job, Unerlaubtes aufzuspüren. Denn alles, was er als Manager für Qualitätsabsicherung prüft, steht unter einem ganz besonderen Reinheitsgebot.
Zhang arbeitet im chinesischen Dongguan beim Prüfinstitut Hermes Hansecontrol Dongguan, einem Unternehmen der Otto Group. Es prüft und sichert im blühenden Beschaffungsmarkt China nach internationalen Standards die Qualität von Produkten, die für den Verkauf im fernen Westen bestimmt sind. Seinen Klienten bietet Hansecontrol ein umfassendes Servicepaket der Qualitätskontrolle, das in der Otto Group exemplarisch steht für das gesamte Portfolio der handelsnahen Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. Hanjo Schneider, Konzern-Vorstand Services der Otto Group und Chef der Hermes Europe GmbH, in der sämtliche Hermes-Aktivitäten gebündelt werden: „Wir sind der einzige Anbieter am Markt, der Kunden alles bieten kann: von Produktentwicklung, Einkauf, Qualitätsprüfung von Waren in Fernost über den Transport nach Europa und Amerika bis hin zur Belieferung der Lager, Geschäfte oder Endkunden samt Zahlungsmanagement.“
Die Handelskunden der Otto Group können sich dank dieses umfassenden Angebots auf ihr Kerngeschäft konzentrieren – was die Effizienz steigert und damit nicht zuletzt ihre Wirtschaftlichkeit optimiert. Die Otto Group kann die Auslastung ihres Dienstleistungsportfolios durch die Öffnung auch für konzernfremde Kunden erhöhen und damit Wachstum generieren.
Das Unternehmen Hansecontrol Dongguan ist noch jung in dieser Stadt (rund 1,5 Millionen Einwohner), in der alles von ehrgeizigen Plänen zeugt. Das einst gemütliche Dorf Chen Jia Pui ist heute eine Landschaft aus Fabriken und Gewerbegebieten, aus Hochhäusern und heute noch überdimensionierten Straßen. Überall soll sich noch mehr Gewerbe ansiedeln – in Chen Jia Pui und der Großgemeinde Liaobu, in der übergeordneten Stadt Dongguan und in der südchinesischen Provinz Guangdong, aus der ein Drittel aller chinesischen Exporte stammen.
Qualitätsmängel können Unternehmen in den Ruin treiben
Im anhaltenden Boom ist Qualitätsabsicherung der Produkte für die Firmen überlebenswichtig. Käufer in Europa werden immer mal wieder durch Berichte über Mängel an Waren aus China aufgeschreckt. Schadstoffe können die Gesundheit der Verbraucher gefährden, Materialfehler oder schlechte Verarbeitung die Gebrauchsfertigkeit des Produkts beeinträchtigen. Werden sie nicht rechtzeitig entdeckt, drohen Strafen, wirtschaftliche Einbußen und Ansehensverluste. Sie können ein Unternehmen in den Ruin treiben.
Dass Hansecontrol seine Dienstleistung direkt vor Ort in China anbietet, ist für die Handelskunden ideal. Denn bei negativen Prüfungsergebnissen können sie Nachbesserungen bei den Lieferanten einfordern, bevor die Ware verschifft wird. Teure Transporte von unverkäuflicher Ware werden vermieden. Das macht sich neben dem Imagegewinn auch in Sachen Wirtschaftlichkeit bezahlt.
In Dongguan hat Hansecontrol mehr als drei Millionen Euro investiert. Mann der ersten Stunde in Dongguan ist der Amerikaner Keith Kimsey, 64, General Manager und einziger Nicht-Chinese im Unternehmen. Binnen neun Monaten gestaltete er mit seinem Team eine ehemalige Lagerhalle in ein modernes Labor um – aller bürokratischen Hemmnisse zum Trotz. Im März 2010 hat Hansecontrol in Dongguan den Betrieb aufgenommen. In hellen, großzügigen Räumen wird seither direkt am Herstellungsort die Qualität der Produkte geprüft und gesichert – von Schuhen bis Lederwaren, von Textilien bis Spielzeug. Alles wirkt noch neu. Fast meint man, frische Farbe zu riechen. 40 Mitarbeiter bilden ein junges Team, Zhang gehört mit 38 Jahren schon zu den Ältesten.
Seiner Verantwortung ist er sich bewusst: für seine eigene Arbeit, für seine Kunden. Die Produktionszyklen werden immer kürzer. Bereits kleine Störungen im Produktionsprozess können das Räderwerk zum kostspieligen Stillstand bringen – etwa, wenn Zhang mitteilen muss, dass er in einem Prüfobjekt verbotene Konzentrationen von Schwermetallen entdeckt hat. Oder Azo. Einige dieser gesundheitsschädlichen chemischen Farbstoffe sind in der EU seit mehreren Jahren verboten, tauchen aber immer wieder in Produkten auf.
Qualitätsprüfung nach westlichen Standards
Die Labortests sind weitgehend automatisiert, gemäß internationalem Standard. Zhang und seine Mitarbeiter spüren Azo und andere Schadstoffe mit Hilfe modernster Technik auf. Ihr besonderer Stolz ist ein aus den USA stammender „ICP-MS Autosampler“, mit dessen Hilfe kleinste Mengen von Schwermetallen nachzuweisen sind. „Wir waren die ersten, die dieses Modell in China eingesetzt haben“, sagt Zhang. Innovativ zu sein bedeute auch, Geräte umzurüsten und damit effizienter einzusetzen als die Konkurrenz. „Während unsere Wettbewerber ein bis drei Tests gleichzeitig machen, haben wir Verfahren entwickelt, um zwölf, ja sogar 24 Proben zur gleichen Zeit zu testen“, so Zhang begeistert. Die Innovationsbereitschaft der Otto Group sorgt auch im Bereich Qualitätsentwicklung dafür, dass Testverfahren kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert werden, um eine noch höhere Effizienz zu erreichen.
Bei Hansecontrol kommt das auch Herstellern und Händler außerhalb der Otto Group zu Gute – viele internationale Handelspartner zählen mittlerweile zu den Kunden. Hansecontrol bietet sämtliche Services der Qualitätsabsicherung – von der Beratung über die Produktprüfung direkt am Produktionsstandort bis zur Produktinspektion kurz vor dem Export.
Für Zhang bedeutete die Kundenorientierung auch eine Erweiterung des eigenen Horizonts: Er hat an der renommierten Huadong Li Gong Universität in Shanghai Chemie studiert und später als Chemiker für eine amerikanische Firma gearbeitet, gemeinsam mit Kimsey. „Früher habe ich mich als Spezialist gesehen, als Chemiker. Doch es reicht nicht, dem Kunden lediglich mitzuteilen: Wir haben getestet und Ihr Produkt ist durchgefallen. Man muss ihm Hilfestellung bieten, sein Problem zu lösen.“
Deshalb führt Hansecontrol Dongguan nicht nur Labortests durch, sondern veranstaltet auch Seminare und Schulungen. Von ihnen profitierten auch viele Zulieferer, darunter kleine und mittelgroße Betriebe. Hansecontrol vermittelt ihnen Wissen über chemische Zusammenhänge bei der Produktion. Was muss man beachten, um eine Verunreinigung mit Schadstoffen zu verhindern? Wie können konkrete Probleme behoben werden? Welche neuen EU-Richtlinien gelten und was ist wichtig für die Verbraucher in Europa?
An manchen Tagen werden Zhang und seine Kollegen selbst zu Seminar-Teilnehmern: Dann sind die Experten von Hansecontrol aus Hamburg zu Besuch in Dongguan. Sie schulen die Mitarbeiter vor Ort und entwickeln gemeinsam mit ihnen Ideen, wie sich die Arbeit in China weiter verbessern lässt. Beide Standorte gehen sehr kooperativ miteinander um und stehen nicht etwa in Konkurrenz. Von solcher gebündelten Expertise profitieren Unternehmen, Kunden – und am Ende vor allem Verbraucher in aller Welt.
Kampagne: Kraft der Verantwortung
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Werkbank der Welt
So wird die Region am Perlflussdelta genannt. Ein Drittel der chinesischen Exporte stammt allein aus der Provinz Guangdong.